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Blumensprache

Blumensprache: Geschichte und Bedeutung durch die Jahrhunderte

Von der Antike bis heute: Wie die Blumensprache entstand, was die viktorianische Zeit daraus machte und welche Symbolik bis heute gilt.

8 Min. Lesezeit · Aktualisiert 16. Juni 2026

Blumen reden. Nicht mit Worten, aber mit einer Sprache, die Menschen seit Jahrtausenden verstehen. Wer einer Person rote Rosen schenkt, sendet eine klare Botschaft - auch ohne einen Satz zu sagen. Doch wie ist dieses System entstanden, und was hat die viktorianische Zeit daraus gemacht? Ein Blick durch die Jahrhunderte zeigt, wie tief die Blumensprache in der Menschheitsgeschichte verwurzelt ist.

Blumen als Symbole: Schon die Antike kannte ihre Bedeutung

Lange bevor jemand das Wort “Floriographie” kannte, schrieben Dichter und Mythologinnen den Blumen feste Rollen zu. In der griechischen und römischen Welt galten bestimmte Pflanzen als Attribute einzelner Götter:

  • Die Rose gehörte Aphrodite bzw. Venus, Göttin der Liebe.
  • Die Lilie stand für Reinheit und war Hera und Juno geweiht.
  • Der Lorbeer symbolisierte Ruhm und Sieg - daher die Lorbeerkränze für siegreiche Athleten und Feldherren.
  • Das Veilchen tauchte in Trauerkontexten auf und stand für Bescheidenheit.

Diese Zuordnungen flossen in Literatur, Bildkunst und religiöse Praxis ein. Sie waren aber noch kein Kommunikationssystem, sondern kulturelle Symbole, die jeder kannte.

Im Mittelalter übernahm die christliche Ikonografie viele dieser Traditionen. Die weiße Lilie wurde zum Sinnbild der Jungfrau Maria, Rosen zierten Heiligendarstellungen. Klostergärten wuchsen nicht nur für die Küche, sondern auch für symbolisch aufgeladene Zeremonien.

Wie kam die Blumensprache nach Europa?

Der entscheidende Impuls für ein regelrechtes Blumensystem kam aus dem Osmanischen Reich. Im frühen 18. Jahrhundert brachte Lady Mary Wortley Montagu, die Ehefrau des britischen Botschafters in Konstantinopel, Berichte über die “Selam” genannte Praxis mit nach England. Dabei handelte es sich um eine Form des Botschaftenübermittelns durch Gegenstandskombinationen, darunter auch Blumen. Ob die Selam wirklich so systematisch war, wie sie in europäischen Übersetzungen dargestellt wurde, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die Wirkung ihrer Berichte war jedoch enorm.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts erschienen in Frankreich und England erste gedruckte Verzeichnisse mit Blumenbedeutungen. Auf diesen frühen Werken aufbauend entstand im frühen 19. Jahrhundert eine ganze Literaturgattung: die Blumenwörterbücher.

Die viktorianische Blütezeit der Floriographie

Die Hochphase der Blumensprache fällt in die Regierungszeit von Königin Victoria (1837-1901). Damals galt es in weiten Teilen der bürgerlichen Gesellschaft als unschicklich, Gefühle offen zu benennen - besonders zwischen Männern und Frauen. Die Blumensprache bot einen Ausweg. Ein kleines Bukett, sorgfältig zusammengestellt, konnte Liebesgefühle, Eifersucht, Hoffnung oder Abweisung übermitteln, ohne dass ein einziges verfängliches Wort fallen musste.

In dieser Zeit erschienen zahlreiche gedruckte Floriographie-Kompendien. Manche gaben den gleichen Blumen unterschiedliche Bedeutungen - je nach Autor, Region und Tradition. Das führte mitunter zu Missverständnissen. Eine Prise Humor gehörte offenbar dazu.

Welche Blumen hatten im Viktorianismus welche Bedeutung?

Einige der bekanntesten Zuordnungen aus dieser Zeit:

BlumeViktorianische Bedeutung
Rote RoseLeidenschaftliche Liebe
Weiße RoseUnschuld, Reinheit
Gelbe RoseFreundschaft (oder Eifersucht, je nach Quelle)
VergissmeinnichtTreue, Erinnerung
VeilchenBescheidenheit, Zuneigung
LilieReinheit, Hoheit
ChrysanthemeIn England: Trauer; in Teilen Asiens: Glück und Langlebigkeit
EfeuTreue, Beständigkeit
LöwenzahnMut oder aber Klatsch, je nach Kontext

Interessant: Nicht nur die Blumensorte, sondern auch die Art des Straußes hatte Bedeutung. Ein nach unten gereichte Blume konnte dasselbe Blumensymbol ins Gegenteil verkehren. Auch die Farbe der Bänder, mit denen Blumen zusammengebunden wurden, spielte eine Rolle.

Blumensprache rund um die Welt - gibt es Unterschiede?

Ja, und das ist wichtig zu wissen, wenn du Blumen ins Ausland verschickst oder ein internationales Publikum beschenkst.

Einige Beispiele:

  • Chrysanthemen gelten in Deutschland, Frankreich und weiten Teilen Südeuropas als klassische Friedhofsblumen und stehen für Trauer. In Japan sind sie ein nationales Symbol und stehen auf dem kaiserlichen Siegel - mit einem Trauerbezug haben sie dort wenig zu tun.
  • Weiße Blumen sind in vielen asiatischen Kulturen mit Tod und Trauerritualen verbunden, während sie in Europa oft für Hochzeiten und Reinheit stehen.
  • Rote Blumen gelten fast universell als Liebessymbol, wenn auch mit Nuancen.

Wer Blumen in einem kulturell diversen Umfeld verschenkt, tut gut daran, kurz nachzufragen oder auf kulturell neutrale Farben und Sorten auszuweichen.

Wie hat sich die Blumensprache im 20. und 21. Jahrhundert verändert?

Mit der Industrialisierung und dem Aufkommen des modernen Blumenhandels verschwand die strenge Systematik der Floriographie weitgehend. Blumen wurden zum alltäglichen Massenphänomen. Gleichzeitig blieben bestimmte Kernbotschaften erhalten - die rote Rose für die Liebe ist heute globaler Konsens.

Das 20. Jahrhundert brachte neue Kontexte: Blumen auf Demonstrationen als Friedenssymbol, Blumenopfer an Gedenkstätten, der Strauß für die Abschlussfeier. Jede Epoche schreibt die Bedeutungen der Blumen ein Stück weit neu.

Heute erlebt die Floriographie eine digitale Renaissance. Auf Plattformen wie Pinterest oder Instagram teilen Menschen bewusst zusammengestellte Sträuße mit Bedeutungen, die an die viktorianische Tradition anknüpfen. Gleichzeitig ist das Verschenken von Blumen freier geworden: Viele Menschen wählen ihre Blumen nach Aussehen, Duft und persönlichem Geschmack - und nicht nach einem historischen Schlüssel.

Was bedeutet Blumensprache heute für dich?

Ob du einen Strauß zum Geburtstag, zur Hochzeit oder einfach als Aufmunterung verschickst - ein kleines Bewusstsein für die Symbolik der Blumen macht das Schenken reicher. Du musst kein Floriographie-Lexikon auswendig lernen. Aber ein paar Grundbedeutungen zu kennen hilft dabei, den richtigen Ton zu treffen.

Praktische Orientierung:

  • Rote Rosen funktionieren für romantische Gesten nahezu kulturübergreifend.
  • Weiße Blumen sind im europäischen Raum für Hochzeiten und Taufen passend, aber bei Trauerfällen in manchen Kulturen heikel.
  • Bunte Mischsträuße sind ein sicherer Allrounder für Glückwünsche, Geburtstage und Dankeschön-Anlässe.
  • Einzelne Blumen mit starker Symbolik - wie Vergissmeinnicht oder Veilchen - eignen sich für persönliche, nachdenkliche Botschaften.

Die Sprache der Blumen ist kein starres System, das du korrekt anwenden musst. Sie ist ein Angebot: Sie gibt deinem Geschenk eine zusätzliche Dimension und zeigt, dass du dir Gedanken gemacht hast. Das zählt mehr als jede perfekte Floriographie.

Mehr zu den Bedeutungen einzelner Blumen sowie zu passenden Anlässen findest du unter /anlaesse/.

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Häufige Fragen

Wo hat die Blumensprache ihren Ursprung?

Die Blumensprache hat viele Wurzeln gleichzeitig. Bereits in der Antike trugen Blumen in Mythologie und Dichtung feste Bedeutungen. Als eigenes System entwickelte sie sich im 17. und 18. Jahrhundert im osmanischen Reich und gelangte von dort nach Europa.

Was versteht man unter Floriographie?

Floriographie ist die Lehre von der Blumensprache, also das systematische Zuordnen von Botschaften zu bestimmten Blumen oder Blumenarrangements. Der Begriff stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist eng mit der viktorianischen Blumenkultur verbunden.

Gelten die viktorianischen Blumenbedeutungen heute noch?

Viele Grundbedeutungen wie die rote Rose als Symbol der Liebe sind bis heute allgemein verbreitet. Andere, sehr spezifische Bedeutungen aus dem 19. Jahrhundert sind dagegen weniger bekannt. Die moderne Blumensprache ist lockerer und offener als ihr viktorianisches Vorbild.

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