Rosenöl: Herstellung und Anwendung
Wie Rosenöl gewonnen wird, warum es so teuer ist, welche Qualitätsmerkmale zählen und wie es in Aromatherapie und Hautpflege sicher angewendet wird.
Rosenöl gehört zu den teuersten ätherischen Ölen überhaupt. Der Grund liegt nicht im Marketing, sondern in der Ausbeute: Für einen Liter reines Rosenöl braucht es je nach Quelle mehrere Tonnen Blütenblätter. Wer den Preis kennt, versteht sofort, warum das meiste, was als Rosenöl verkauft wird, keines ist.
Herkunft und Ernte
Verwendet werden vor allem zwei Arten: die Damaszener Rose (Rosa damascena), Hauptquelle in Bulgarien und der Türkei, und die Zentifolie (Rosa centifolia), traditionell in Südfrankreich und Marokko. Die bekannteste Anbauregion ist das bulgarische Rosental bei Kazanlak.
Geerntet wird von Hand und ausschließlich in den frühen Morgenstunden, meist zwischen Sonnenaufgang und dem Vormittag. Danach sinkt der Gehalt an flüchtigen Ölen in der Blüte deutlich ab. Die Blüten müssen zudem am selben Tag verarbeitet werden. Diese Kombination aus kurzem Erntefenster, Handarbeit und sofortiger Verarbeitung ist der eigentliche Kostentreiber.
Die beiden Gewinnungsverfahren
Wasserdampfdestillation. Das traditionelle Verfahren. Die Blütenblätter werden mit Wasserdampf behandelt, der die ätherischen Öle löst und mitführt. Nach der Kondensation trennt sich das Öl vom Wasser. Das Ergebnis heißt Rosenotto und gilt als das hochwertigere Produkt. Als Nebenprodukt fällt Rosenwasser an, das seinerseits in Küche und Kosmetik verwendet wird.
Eine Besonderheit: Rosenotto wird bei kühleren Temperaturen fest und wachsartig. Das ist kein Mangel, sondern ein Echtheitsmerkmal.
Lösungsmittelextraktion. Das modernere Verfahren nutzt Lösungsmittel, um zunächst ein Concrète und daraus das Rosenabsolue zu gewinnen. Die Ausbeute ist deutlich höher und der Duft blumiger und näher an der frischen Blüte. Dafür können Lösungsmittelspuren zurückbleiben, weshalb Absolue in der Parfümerie geschätzt, in der Aromatherapie aber zurückhaltender bewertet wird.
Anwendung in der Aromatherapie
Rosenöl wird traditionell für seine beruhigende und stimmungsaufhellende Wirkung geschätzt. Typische Anwendungen sind:
- Duftlampe oder Diffuser, wenige Tropfen genügen. Rosenöl ist außergewöhnlich ergiebig.
- Massageöl, verdünnt in einem Trägeröl
- Badezusatz, immer mit einem Emulgator wie Sahne oder Honig, weil sich Öl sonst nicht im Wasser verteilt und konzentriert auf die Haut trifft
Ein ehrlicher Hinweis dazu: Die entspannende Wirkung von Duftstoffen ist gut dokumentiert, weitergehende therapeutische Versprechen sind es meist nicht. Aromatherapie ist eine begleitende Anwendung und ersetzt bei ernsthaften Beschwerden keine ärztliche Behandlung. Mehr zum Umgang mit pflanzlichen Anwendungen steht im Beitrag über Blumen als Heilmittel.
In der Hautpflege
In Kosmetikprodukten ist Rosenöl wegen seines Duftes und seiner hautpflegenden Eigenschaften beliebt, vor allem in Cremes, Gesichtsölen und Seren für trockene und reife Haut. Für den Hausgebrauch reichen sehr geringe Mengen: Ein bis zwei Tropfen auf 50 Milliliter Trägeröl sind bereits deutlich wahrnehmbar.
Häufig verwechselt wird das ätherische Rosenöl mit Hagebuttenkernöl, oft als Wildrosenöl verkauft. Das ist ein fettes Öl aus den Kernen und kein ätherisches Öl. Es lässt sich pur anwenden, kostet einen Bruchteil und hat ein ganz anderes Anwendungsprofil.
Qualität erkennen
Woran sich gute Ware zeigt:
- Botanischer Name auf dem Etikett, also Rosa damascena oder Rosa centifolia
- Herkunftsangabe und Chargennummer
- Dunkle Glasflasche, ätherische Öle zersetzen sich unter Licht
- Realistischer Preis. Reines Rosenöl kostet ein Vielfaches der meisten anderen ätherischen Öle
- Angabe zum Gewinnungsverfahren, Destillation oder Extraktion
- Bei Verdünnungen: transparente Angabe des Trägeröls und der Konzentration
Formulierungen wie Duftöl, Parfümöl oder naturidentisch bezeichnen synthetische Nachbauten. Sie sind für Raumbeduftung völlig in Ordnung, aber kein Rosenöl.
Sicherheit
- Nie unverdünnt auf die Haut auftragen
- Verträglichkeitstest in der Armbeuge, 24 Stunden abwarten
- Nicht in die Augen und nicht auf Schleimhäute
- In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Säuglingen und Kleinkindern ärztlich abklären
- Nicht einnehmen, außer unter fachkundiger Anleitung
- Kühl, dunkel und dicht verschlossen lagern
Kulturgeschichte
Die Gewinnung von Rosenöl und Rosenwasser reicht weit zurück und wurde vor allem im persischen und arabischen Raum verfeinert, von wo aus sie nach Europa gelangte. Rosenwasser war lange fester Bestandteil von Küche und Körperpflege, und die Rose selbst trug in nahezu jeder Kultur eine eigene Symbolik. Wie unterschiedlich diese Deutungen ausfielen, zeigt der Beitrag zur Bedeutung der Rose in verschiedenen Kulturen. Welche Rosensorten sich für den eigenen Garten eignen, steht im Artikel zu den schönsten Rosenarten.
Häufige Fragen
Warum ist Rosenöl so teuer?
Wegen der Ausbeute. Für einen einzigen Liter ätherisches Rosenöl werden je nach Quelle mehrere Tonnen Blütenblätter benötigt. Dazu kommt, dass von Hand und nur in den frühen Morgenstunden geerntet wird, weil der Ölgehalt danach absinkt.
Was ist der Unterschied zwischen Rosenöl und Rosenabsolue?
Rosenöl wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen, Rosenabsolue durch Extraktion mit Lösungsmitteln. Das Absolue ist ergiebiger und duftet blumiger, kann aber Lösungsmittelspuren enthalten und gilt in der Aromatherapie als weniger geeignet.
Darf man Rosenöl pur auf die Haut auftragen?
Nein. Ätherische Öle sind hochkonzentriert und können unverdünnt Reizungen und Sensibilisierungen auslösen. Rosenöl wird mit einem Trägeröl wie Mandel- oder Jojobaöl verdünnt, üblich sind etwa ein bis zwei Prozent. Vorher einen Test in der Armbeuge machen.
Woran erkennt man echtes Rosenöl?
An der Deklaration mit botanischem Namen (Rosa damascena oder Rosa centifolia), Herkunft und Chargennummer, an einem realistischen Preis und an einer dunklen Glasflasche. Ein günstiges Rosenöl im Zehn-Milliliter-Fläschchen ist praktisch immer verdünnt oder synthetisch nachgebaut.